top of page

Ironman 70.3 Rapperswil-Jona 2024 - Profidebut

Nach der Europameisterschaft im Duathlon Anfang Mai stand die Heilung meiner Wunde, die ich mir bei einem Sturz im Wettkampf zugezogen hatte, im Vordergrund. Diese Wunde hat mich länger beschäftigt als gedacht, dazu kamen noch ein paar Prellungen. Das Training hat es jedoch nur wenig beeinträchtigt. Zwar waren die Tage und Wochen schmerzhaft und der Schlaf kam zu kurz, aber ohne Fleiß kein Preis – irgendwann wurde es besser.


Kaum war die Wunde verheilt und meine Erholungswerte wieder besser, kam leider eine kleine Erkältung dazu, die mich ein paar Tage außer Gefecht setzte. Zum Glück war ich schnell wieder auf den Beinen.

Nur noch sieben Tage bis zum ersten Triathlon der Saison: Rapperswil-Jona, Ironman 70.3. Dies sollte mein Einstieg in die Saison sein, mein erstes Rennen im Profifeld und meine erste ernsthafte Mitteldistanz.

(An der Challenge Sanremo im September 2023 habe ich zwar teilgenommen, aber das war eher eine lockere Ausfahrt mitten in meiner Corona-Pause – kein Vergleich.)


Ich hatte großen Respekt, aber auch sehr viel Vorfreude. Ich war bereit und motiviert.

Leider sah der Wetterbericht nicht gut aus. Tage lang strömender Regen hatte in vielen Teilen zu Überschwemmungen geführt, auch in der Schweiz war das Wetter nicht besser.


Samstag, 1. Juni 2024

Meine Mutter und ich sind früh morgens aufgebrochen; nur knapp drei Stunden Fahrt lagen vor uns. Einmal quer durch die Schweiz. Wir holten schnell die Startunterlagen und gingen dann zum Race Briefing.

Dort die Überraschung: entweder ein Rolling Bike Start oder die Schwimmstrecke würde aufgrund der kalten Temperaturen auf 750m verkürzt. Dass es so etwas jemals geben würde, hätte ich nicht gedacht. Egal – beides wäre für mich als schlechte Schwimmerin von Vorteil. Aber ehrlich gesagt, bei unter 14 Grad Wassertemperatur könnte ich auf das Schwimmen ganz verzichten.

Wir blieben gespannt. Die Entscheidung sollte wie üblich am Wettkampfmorgen, eine Stunde vor dem Startschuss, fallen.



Nach dem Briefing habe ich noch eine kleine Vorbelastung gemacht: 30 Minuten Radfahren und 3 Kilometer Koppellauf mit etwas Race Pace. Die Vorbelastung im Wasser habe ich ausgelassen – es war immerhin von oben nass.

Danach haben wir eingecheckt und sind ins Hotel gefahren. Abends ging es noch lecker essen – Spaghetti Bolognese – und dann schnell ins Bett.



Sonntag, 2. Juni 2024


05:00 Uhr – Guten Morgen: Frühstück, anziehen, und LOS GEHT'S.

07:00 Uhr – letzter Check in der Wechselzone; INFO: 750m Schwimmen bei 13,7°C – kein Freudenschrei.

07:15 Uhr – Warmlaufen.

07:50 Uhr – kurzer Sprung ins kalte Wasser; ein Gel.

08:11 Uhr – Startschuss.



Schwimmen

Kalt! Ohne Witz – Hände, Füße und Gesicht waren eisig. Ich hatte das Gefühl, keinen einzigen Zug wirklich durchziehen zu können. Die paar Minuten kamen mir vor wie 30 Minuten. Aber ich habe es durchgezogen. Ich bin relativ ruhig geschwommen, was besser war – vielleicht, weil ich einfach zu steif war. Alles in allem nur zwei Minuten hinter der Spitze! Das ist akzeptabel.

Raus aus dem Wasser und den Neo ausziehen, zumindest habe ich es versucht – es hat etwas gedauert, bis meine Hände die Kraft hatten. In die Wechselzone, schnell anziehen und los aufs Rad! Aufgrund der Kälte und Nässe musste ich eine Weste und Handschuhe anziehen – lieber etwas Zeit verlieren, als auf dem Rad zu erfrieren.



Radfahren

Die 90km waren auf zwei Runden mit insgesamt 1100 Höhenmetern aufgeteilt. Die Anstiege bin ich gut hochgefahren, die Abfahrten jedoch verdammt langsam heruntergefahren und auf der Ebene fehlte der nötige Push. Das führte zu etwas Rückstand – die Abfahrten nehme ich auf meine Kappe. Ich hatte zu viel Respekt vor den Kurven und der Nässe; ich bin noch nicht hundertprozentig sicher mit dem TT bergab, und ich hatte noch die Schürfwunden des vergangenen Sturzes im Kopf. Das wollte ich nicht noch einmal erleben.

Auf der Ebene fehlte mir der nötige Druck, das ist definitiv eine meiner Schwächen.

Alles in allem war es okay, aber ich habe mir selbst einige Fehler eingebrockt – das passiert mir nicht nochmal.

Zum Glück habe ich auf dem Rad nicht gefroren; es war definitiv eine gute Entscheidung, dass ich mich etwas wärmer angezogen habe. Das zusätzliche Biopren am Körper hat mir auch geholfen.

Runter vom Rad und ab in die Laufschuhe!



Laufen

Halbmarathon – wann bin ich diese Distanz das letzte Mal gelaufen? Gute Frage. Meine Zielpace: nach Gefühl all-in. An diesem Tag war es eine Pace von etwa 3:40 pro Kilometer.

Anfangs fühlte ich mich großartig, locker und entspannt. Es machte Spaß ... bis etwa Kilometer 6. Dann setzten Schmerzen ein, im ISG und in den Oberschenkeln, vorne und hinten. Von Kilometer 6 bis 12 kämpfte ich, motivierte mich positiv und biss die Zähne zusammen. Eine Pace von 3:50/55 konnte ich noch einigermaßen halten. Ab Kilometer 12 wurde es richtig zäh. Der Schmerz verstärkte sich mit jedem Schritt, ich hatte das Gefühl, mein Bein würde gleich nachgeben. Es war eine Qual. Auf meiner Uhr sah ich eine Pace von über 4:30. Das tat weh, aber ich konnte nichts dagegen tun. Ich kämpfte einfach weiter, um irgendwie das Ziel zu erreichen, ohne gehen zu müssen.



Ziel

Geschafft. Die Ziellinie zu überqueren war eine riesige Erleichterung. Eine große Last fiel von mir ab und ich konnte endlich stehen bleiben. Gehen war allerdings nicht mehr möglich.

Platz 10 bei meinem ersten Wettkampf im Profifeld!

Der Wettkampf war weit entfernt von einem perfekten Tag, aber wann gibt es das schon? Ich lerne jetzt schon, dass bei einer Mitteldistanz vieles passieren kann. Es ist ein ziemlich langer Wettkampf. Es gibt noch viel zu lernen, zu verbessern und zu üben.



Es ist ein Prozess, und ich darf geduldig mit mir sein – ich muss nicht alles auf Anhieb perfekt können. Diese innere Stimme, die nach Perfektion strebt, ist oft hinderlich.

Jetzt muss ich herausfinden, warum die Schmerzen kamen und was ich dagegen tun kann. Ich werde alles prüfen – Ernährung, Sitzposition, Technik etc. Es kann auch ein Zusammenspiel von allem gewesen sein, plus der Kälte. Ich weiß es nicht.



Und jetzt, zwei Wochen nach dem Wettkampf, fordert mein Körper immer noch Erholung – etwas widerwillig gebe ich sie ihm. In den letzten Monaten habe ich gelernt: immer mit dem Körper arbeiten, nicht gegen ihn. Meine Schmerzen sind inzwischen leider ziemlich eingefahren; hoffe das regelt sich bald.

Nach ein paar weiteren Ruhetagen bin ich hoffentlich wieder frisch und munter :)


Danke an den Support!


Commentaires


bottom of page